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Was ist Greenwashing und wie kann ich mich davor schützen?

Greenwashing ist oft so raffiniert, dass Gerichte es nicht unterbinden können. Wir verraten Dir, wie Du Dich vor Greenwashing am besten schützen kannst.

Wenn Du Dich mit grünen, nachhaltigen Formen der Kapitalanlage beschäftigst, wird ein Begriff immer wieder auftauchen: Greenwashing. Aber was ist Greenwashing eigentlich?

Greenwashing ist - kurz gesagt - eine Form des Betruges, die so raffiniert ist, dass die Gesetzgeber noch keine ausreichenden Routinen für Sanktionen und Bestrafungen entwickelt haben. Daher musst Du als Konsument_in und Anleger_in hier auf einige Punkte achten. Welche Punkte das sind, und wie Du Dich effektiv schützen kannst, beschreiben wir in diesem Artikel.

Was ist so schlimm am Greenwashing?

Firmen, die Greenwashing betreiben, bieten Dir ein minderwertiges Produkt zu einem überhöhten Preis an. Das ist meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. So kann ein Fond, der in fossile Brennstoffe investiert, aktuell hohe Gewinne erwirtschaften und mit diesen Gewinnen werben. Dabei wird aber verschwiegen, dass in wenigen Jahren, sobald sich erneuerbare Energien am Markt durchgesetzt haben, hohe Verluste drohen.

Was sind Beispiele für Greenwashing?

Erinnerst Du Dich noch an den Diesel-Skandal, den Volkswagen 2015 ausgelöst hat? Das war ein besonders schwerer Fall von Greenwashing. Volkswagen hat jahrelang behauptet, man produziere besonders schadstoffarme Motoren. In Wirklichkeit aber wurde Schummelsoftware eingebaut, um die hohen Abgaswerte bei Prüfungen zu verbergen.

Ein weiteres Beispiel ist der Saatguthersteller Monsanto, der 2018 von der Bayer AG gekauft wurde. US-Gerichte haben Monsanto mehrfach für die schweren Krebserkrankungen von Kund*innen verantwortlich gemacht. Während der Prozesse hat sich erwiesen, dass Monsanto über Jahre hunderte von Wissenschaftlern bestochen hat, um Gefälligkeitsgutachten zu schreiben.

Greenwashing ist also keine Bagatelle. Es passiert nicht einfach so aus Versehen. Firmen investieren oft viele Millionen Euro, um Kund_innen und Kapitalanleger_innen zu täuschen. Das macht es für Verbraucher*innen schwer, Greenwashing auf Anhieb zu erkennen.

Warum unternehmen die Gesetzgeber nichts gegen Greenwashing?

Die Gesetzgeber sind durchaus bereits aktiv.

Insgesamt kann man aber klar sagen: Die Mühlen der Justiz mahlen noch zu langsam und Firmen sind sehr kreativ darin, rechtliche Grauzonen für sich auszunutzen.

Warum gibt es mehr Greenwashing als fundierte Nachhaltigkeit?

Bis vor wenigen Jahren, war den meisten Anleger*innen völlig egal, wie Unternehmen Gewinne erwirtschafteten. Doch das hat sich zum Glück geändert.

  • Große Kapitalanleger*innen haben erkannt, dass Unternehmen, die nachhaltig handeln, weniger Risiken ausgesetzt sind und am Markt höhere Preise erzielen können. Beides wirkt sich langfristig positiv auf die Gewinne aus.
  • Privatanleger*innen legen zunehmend Wert darauf, enkeltauglich zu investieren und informieren sich im Internet, statt blind der örtlichen Bankfiliale zu vertrauen.

Langsam, aber stetig, hat sich daher ein neuer Markt für Finanzierungen entwickelt. Ein Markt, der Nachhaltigkeit fordert.

“Es kommt darauf an, dass man diese Klimapolitik integriert, in die Produkte, in die Dienstleistungen, in die Art und Weise wie man Dinge baut, verkauft. Wenn man das nicht tut, wird man von den Finanzmärkten mit der Zeit abgestraft werden.”

Philipp Hildebrand, Vizepräsident BlackRock, 21.01.2020 auf dem WWF in Davos

Von Gier getriebenen, nicht-nachhaltigen Unternehmen brechen somit seit Jahren Kund_innen und Kapitalgeber_innen gleichermaßen weg. Viele etablierte Geschäftsmodelle lassen sich aber gar nicht oder nur mit hohem Aufwand nachhaltig gestalten. Die Unternehmen stehen also mit dem Rücken zur Wand.

Was sind häufige Arten von Greenwashing?

Mit dem Grad der Verzweiflung ändern sich meist die angewandten Techniken. Während einige Firmen daran arbeiten, die Wahrheit im Dunkeln zu lassen, gehen andere noch einen Schritt weiter. Sie lügen, fälschen und betrügen an breiter Front.

  1. Vertrauen in alte Marken

    Oftmals vertrauen wir einer Marke bereits seit Jahren und glauben ihr, wenn sie sich selbst als nachhaltig bezeichnet. Viele Begriffe sind rechtlich nicht geschützt. Angaben wie “grün”, “umweltfreundlich”, “nachhaltig” oder “natürlich” werden daher häufig irreführend eingesetzt.

  2. Werbekampagnen

    Werbung ist der billigste Weg für Unternehmen, Greenwashing zu betreiben. Schöne Bilder, schöne Worte, schöne Welt. Wir konsumieren Werbung zu großen Teilen unterbewusst. Wir hinterfragen also nicht jeden Werbespot kritisch.

  3. Leuchtturm-Projekte

    Firmen schaffen eine kleine Reihe nachhaltiger Produkte oder Dienstleistungen, welche in der Außenwirkung Vertrauen schaffen sollen. Verborgen im Hintergrund laufen dann aber oft 98% des Geschäfts auf alten, umweltschädlichen, nicht-nachhaltigen Wegen.

  4. Manipulation

    Monsanto - heute Teil der BAYER AG - hat über Jahre unzählige Forscher weltweit dafür bezahlt, positive Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. VW hat seine Fahrzeuge mit Software ausgestattet, welche Abgastests manipulieren konnte.

  5. Wertlose Siegel und Preise

    Mit dem nötigen Budget lassen sich viele Siegel und Preise kaufen, die den Anschein von Nachhaltigkeit erwecken.

  6. Lobbyismus

    Die deutsche Automobilindustrie hat durch enge Kontakte zu Politikern über Jahrzehnte hinweg Umweltschutz auf breiter Front behindert und verzögert.

Wie kann ich Greenwashing erkennen?

Das ist gar nicht so einfach. Firmen, die Greenwashing betreiben, verfügen meist über ein hohes Budget. Üblicherweise entwickelt ein Team aus Psychologen, Anwälten und Werbeagenturen eine Strategie. Die Werbung soll bei Konsumenten ein Gefühl von Vertrauen und Zugehörigkeit erzeugen, ohne dass das Unternehmen für Aussagen rechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Hier sind einige Tools, mit denen Du Greenwashing im Alltag begegnen kannst.

  1. Treffe bewusste Entscheidungen
    Überlege Dir bewusst, was Du von einem Produkt oder einer Marke erwartest. Damit wirst Du weniger manipulierbar für Spontankäufe.
  2. Hab Mut zu Neuem und Unbekannten
    Viele nachhaltige Unternehmen sind erst in den letzten fünf Jahren entstanden. Eventuell musst Du Anbieter oder gewohnte Routinen wechseln.
  3. Wie alt ist die Marke?
    Leider ist gerade bei alten Marken eine große Bereitschaft zum Greenwashing zu erkennen. VW, Coca-Cola, McDonalds, Deutsche Bank, BAYER AG und viele mehr, sind in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Greenwashing in die Schlagzeilen geraten. Grundsätzlich solltest Du daher gerade bei alt bekannten Marken besonders kritisch nachfragen.
  4. Nutze die Schwarmintelligenz
    Es gibt in jedem Land Communities, in der Fachleute Werbeversprechen unter die Lupe nennen. Greenwashing wird durch Communities meist schnell entlarvt.
  5. Wähle einen Partner, der ausschließlich mit nachhaltigen Fonds arbeitet
    Bei Grünfin ist Nachhaltigkeit keine Option, sondern das Fundament. Dein Impact und Deine Rendite sind unsere Priorität.

Greenwashing vs. Bluewashing

“Bluewashing” ist ein Marketingbegriff, mit dem Unternehmen von ihrem sozialen und ethischen Engagement überzeugen wollen. Mittlerweile taucht auch dieser Begriff immer häufiger auf. Leider stecken meist nicht viel dahinter. Es ist vielmehr ein Ablenkungsmanöver, mit dem Unternehmen versuchen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

Die Herkunft des Begriffs “Bluewashing” geht auf die blaue Farbe der Corporate Identity der Vereinten Nationen (UNO), die für humanitäre Interventionen steht, zurück.

“Bluewashing” ist noch nicht so bekannt und weit verbreitet wie Greenwashing. Dennoch solltest du als Verbraucher_in und Konsument_in darauf achten, dass du dich nicht von schön gewaschenen Botschaften blenden lässt.

Beim “Bluewashing” versuchen Unternehmen mit ihrem sozialen und ethischen Engagement und Verantwortungsbewusstsein zu scheinen. Klassische Beispiele sind der Einsatz für faire Löhne oder mehr Frauen in Führungspositionen.

Um dich davor zu bewahren, auf “Bluewashing”-Tricks hereinzufallen, hier einige Tipps:

  • Hinterfrage Werbeaussagen immer mit gesundem kritischem Blick. Wie vage oder konkret sind die Aussagen?
  • Schau nicht nur auf die einzelnen Zahlen oder Kampagenslogans, sondern schau dir das Gesamtbild des Unternehmens an.
  • Achte auf die Quelle. Nutzt das Unternehmen unabhängige Informationen oder interne?
  • Achte auf Gütezeichen. Natürlich sind auch diese kein Allheilmittel gegen “Bluewashing”, aber sie können dir eine Hilfe sein.
  • Lässt das Unternehmen seine Bemühungen und Aussagen überprüfen und von außen durch unabhängige Kontrollen bewerten?

Du siehst, ein kritischer Blick auf die Dinge, ist immer ein guter Ansatz.

Bei Grünfin achten wir ganz genau darauf, welche Unternehmen in unseren Portfolios vertreten sind. Wenn wir Verbesserungspotenzial feststellen oder mit gewissen Vorgehen nicht einverstanden sind, setzen wir uns für einen positiven Wandel ein. Mithilfe unseres Aktionärsaktivismus und unserer Zusammenarbeit mit ShareAction ist das möglich.

Wenn Du diesen Artikel hilfreich fandest und mehr über nachhaltige Wege zur Geldanlage erfahren möchtest, dann schau dir doch mal unseren Blog über Fünf Gründe mit Grünfin in Nachhaltigkeit zu investieren an.

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